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Über Geld, oder das Bezahlen mit Lebenszeit

„Über Geld spricht man nicht- das hat man“ besagt ein bekanntes Sprichwort. Nun ja, vielleicht könnten einige Probleme beseitigt oder auch geschürt werden, wenn wir es trotzdem tun würden. Aber heute wollen wir nicht besprechen, wer wie viel verdient, sondern wieviel wir bezahlen. Und zwar mit Lebenszeit bezahlen.

 

Ich unterstelle jetzt mal, dass die meisten von euch für ihren Lebensunterhalt arbeiten gehen und nicht Millionen geerbt haben. Wir stehen also jeden Tag auf, gehen arbeiten und erhalten, meist Ende Monat, einen Lohn dafür auf unser Konto. Mit diesem Geld bezahlen wir alles, was so anfällt. Und so oft höre ich „ich muss voll arbeiten, um die Rechnungen zu bezahlen“ – und da nehme ich mich auch nicht aus.

 

Es gibt einen Film, bei dem die Protagonisten mi Lebenszeit bezahlen, was mich wirklich zum Nachdenken gebracht hat. Denn wenn wir ganz ehrlich sind, tun wir nichts anderes. Vielleicht leben wir dadurch in Jahren nicht kürzer (immer öfter leider schon…), doch wir geben einen sehr grossen Teil unserer Lebenszeit für die Arbeit. Dies kann auch Freude machen und sehr erfüllend sein, versteht mich nicht falsch! Und doch würden die meisten von uns vermutlich lieber etwas weniger arbeiten und mehr Freizeit geniessen. Doch was denken denn die anderen?? Wir haben das Problem, dass wir uns über die Arbeit definieren. Wenn man jemanden kennenlernt, ist immer eine der ersten Fragen was wir arbeiten. Und wenn wir wenig oder nicht arbeiten, fühlen wir uns wertlos und oft erhalten wir das auch von unserer Umwelt gespiegelt. Sich kaputt zu arbeiten ist gesellschaftsfähig, wenig zu arbeiten nicht unbedingt. Manchmal frage ich mich, wohin das noch führt, denn bereits jetzt halten viele Arbeitnehmer dem Druck nicht mehr stand. Und wenn sie dann aus der Arbeitswelt ausscheiden, sind sie mit ganz vielen Vorurteilen konfrontiert.

Woher diese Missgunst kommt, ist einfach zu erraten – wir sind schlicht eifersüchtig, wenn jemand nicht so viel arbeiten muss und das Leben geniesst. Vielleicht macht ihm diese Arbeit auch noch grossen Spass! Das wollen wir auch, würden es aber niemals zugeben. Lieber verteidigen wir unser Leben und reden alles was anders funktioniert schlecht.

 

Natürlich gibt es viele Arbeiten, die erfüllend sind und die mit Freude gemacht werden. Wenn ich aber morgens durch den Bahnhof gehe, sieht es für mich nicht so aus, als würde die Mehrheit mit Freude zur Arbeit gehen. Ich persönlich arbeite zwar sehr gerne und bin dankbar, dass ich einen so tollen Job habe. Doch wäre es auch nicht zu verachten, diesen Job nicht fünf Tage die Woche machen zu „müssen“ J

 

Nun zum eigentlichen Thema und vielleicht zu einem Weg, wie wir das etwas ändern können.

Bist du dir bewusst, dass du alles was du kaufst mit Lebenszeit bezahlst? Rechne mal deinen Stundenlohn aus und jedes Mal, wenn du nicht weisst ob du etwas kaufen sollst oder nicht, rechnest du aus wieviele Stunden du dafür arbeiten musstest. So erhältst du einen Richtwert, ob es dir soviel Wert ist oder eher nicht. Ich finde die Vorstellung eindrücklich und es hilft mir bei gewissen Entscheidungen. Zudem gibt es mir die Gewissheit, dass ich selber etwas tun kann, um eine bessere Work- Life Balance zu erreichen. Ich kann mich ja jeden Tag entscheiden, ob es mir Wert ist jeden Tag für das Neuste und Beste zu arbeiten, oder ob ich mich mit weniger zufriden gebe und dafür mehr Freizeit habe. Und nein, du musst nicht ausrechnen wieviele Stunden du für Ausgaben wie Steuern und Krankenkasse arbeitest – denn einerseits können wir dies nicht direkt ändern, zudem ist der Gegenwert nicht zu beziffern. Doch ich denke, der Gegenwert ist für uns alle grösser als die Investition, wenn ich die Sauberkeit, Bildung und Lebensqualität bedenke, die uns ermöglicht wird. Also ärgere dich nicht über diese Ausgaben J

 

Konsum ist oft eine Ersatzbefriedigung für das, was uns fehlt – und damit meine ich nichts Materielles. Ich fühle mich nicht gut? Dann kaufe ich. Ich habe viele Überstunden geleistet? Dann kaufe ich. Ich habe viel fürs Studium gearbeitet und möchte mich jetzt belohnen? Genau, dann kaufe ich. Oftmals sind dies Dinge, die wir gar nicht wirklich brauchen und die auch schnell wieder ausrangiert werden. Jetzt siehst du vielleicht den Teufelskreis – je unzufriedener wir sind, desto mehr kaufen wir- und desto mehr müssen wir arbeiten. Wären wir ausgeglichen, würden wir weniger kaufen und müssten weniger arbeiten. Vergiss niemals: Besitz besitzt dich! Je mehr du hast, desto mehr kostet dein Leben. Zudem möchten die Besitztümer auch noch deine Aufmerksamkeit. Somit widerspricht unsere Kaufsucht eigentlich dem Grundbedürfnis des Menschen – der Freiheit.

 

Und falls das nun so interpretiert wird: Meine Meinung ist überhaupt nicht, dass Arbeit etwas schlechtes ist. Im Gegenteil, ich bin sehr dankbar, dass ich arbeiten darf und erst noch bei einer Firma, hinter deren Philosophie ich stehen kann. Mir geht es wirklich darum, dass jeder entscheiden kann wofür er seine Lebenszeit einsetzt – und dass es einen Ausweg gibt, wenn du dich in der Arbeit gefangen fühlst. Die Frage ist lediglich, wo deine Prioritäten liegen.

 

 

Nun hoffe ich, dass du mit diesem einfachen Mittel deine zukünftigen Kaufentscheidungen bewusster treffen kannst und für die wichtigen Dinge in deinem Leben arbeitest. J

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Das bin ich

Mein Name ist Nicole Bärtschi, ich bin 31 Jahre alt, verheiratet und Stiefmutter eines Teenagers. Wenn ich nicht gerade an meinem Blog schreibe, mit meiner Familie campen oder fischen gehe, arbeite ich als Kundenbetreuerin auf einer Bank.

 

Nachhaltigkeit ist mir sehr wichtig- bis das Leben meiner Familie als Nachhaltig bezeichnet werden kann, ist es aber noch ein weiter Weg. 

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