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Shiftphone oder Fairphone? Oder doch iPhone?

Ich bin ein richtiges Apple- Kind und habe seit Jahren nur iPhones. Mein iPhone 6 gibt nun, nach etwas über 2 Jahren, ganz langsam an Leistung ab, wie man das von den Apple- Produkten kennt. Früher wäre ich jetzt zum Verkäufer meines Vertrauens gegangen und hätte einfach das neueste iPhone gekauft. Jetzt ist das aber etwas komplizierter, da ich ja solche Kaufentscheidungen bewusst treffen möchte. iPhone und Nachhaltigkeit – nein, das passt gar nicht zusammen. Auf ein Handy verzichten möchte ich nicht. Was bleibt da als Alternative?

Meine Recherchen im Internet haben mir zwei Alternativen aufgezeigt- das Fairphone, welches in Holland designt und vertrieben wird, und das Shiftphone, welches aus Deutschland kommt. Beide Hersteller achten darauf, Ihre Geräte so nachhaltig wie nur möglich zu produzieren. Damit sie für die breite Masse erschwinglich sind, werden beide in China hergestellt. Gemäss beiden Websites unter strenger Überwachung, dass europäische Arbeitsbedingungen eingehalten werden.

 

Ein  Handy wird aus ca. 60 verschiedenen Materialien gefertigt, wovon über die Hälfte Metalle sind. Für den Akku wird Lithium verwendet, für die Kontakte Gold, für die Lötstellen Zinn und Tantal für die Kondensatoren. Bei einem Standard- Handy werden die Rohstoffe meist unter menschenunwürdigen Umständen in Afrika gewonnen, nicht selten auch mittels Kinderarbeit.  

 

Fairphone bezieht aktuell die Rohstoffe Gold, Tantal, Zinn und Wolfram aus konfliktfreien Mienen,  Shiftphone verzichtet sogar ganz auf das Konfliktmaterial Coltan und arbeitet stattdessen mit Keramik. Beide Hersteller setzen sich stark für faire Arbeitsbedingungen ein. Die Mitarbeiter müssen nur 50 Stunden in der Woche arbeiten, der Sonntag ist frei. Üblich sind 90 Stunden Wochen ohne fixe Freitage. Auch werden die Mitarbeiter versichert, was in der Branche nicht üblich ist. Der Lohn ist mehr als doppelt so hoch – Shiftphone bezahlt RMB 3‘200.00, üblich sind RMB 1‘500.00. Zudem wehren sich die Hersteller gegen Kinderarbeit, Mitarbeiter müssen mindestens 16 Jahre alt sein.

 

Ein Wermutstropfen der beiden fairen Smartphones ist, dass sie technisch nicht auf dem neuesten Stand sind. Damit die Produkte erschwinglich sind, werden Abstriche an der Technik zu Gunsten der Nachhaltigkeit gemacht. Die Kameras sind nicht mit denjenigen von Apple oder Samsung vergleichbar, das Betriebssystem ist nicht immer auf dem neusten Stand. Jedoch sind die Fortschritte gross, der Unterschied wird vermutlich immer geringer. Technisch bin ich kein Profi, wer es genauer wissen möchte findet diverse Tests im Internet. Was ich weiss ist, dass die Technik für einen Durchschnitts- Benutzer durchaus ausreicht.

 

Mein iPhone ist von der Bedienung her super, alles läuft, ich habe keine Schwierigkeiten und es ist einfach in der Handhabung. Kann ich einen Schritt zurück machen, zu Gunsten der Nachhaltigkeit? Bin ich genug überzeugt von der Alternative, um mein Betriebssystem zu wechseln und alles neu zu installieren, gar neu zu kaufen? Wenn ich die Faktenlage betrachte, ist der Fall eigentlich klar – doch es ist für mich definitiv kein einfacher Schritt.

 

Während ich dies hier so schreibe fällt mir auf, wie verwöhnt ich doch bin wenn mein grösstes Problem die Änderung des Betriebssystems meines Smartphones ist. Mir fehlt es an nichts, und ich möchte dass es möglichst vielen Menschen noch über lange Zeit so geht. Auch wenn beide Hersteller noch nicht eine vollständig faire und nachhaltige Rohstoffgewinnung garantieren können, ist es in meinen Augen doch ein Schritt in die richtige Richtung. Je mehr Menschen sich gegen die Ausbeutung und für faire Bedingungen entscheiden, desto attraktiver wird es irgendwann auch für die grossen Hersteller sich dafür einzusetzen.

 

Da mir persönlich das Design von Shiftphone besser gefällt und das Produkt nun sogar in Zürich in einem Laden (CIRCLE- The Sustainable Shop) gekauft werden kann, habe ich mich nach langem hin und her für das Shiftphone entschieden. Dieses kaufe ich natürlich erst, wenn mein iPhone wirklich nicht mehr funktioniert. Denn am nachhaltigsten ist immer noch, bereits produzierte Geräte so lange wie möglich zu nutzen. Doch wenn es soweit ist weiss ich, was ich möchte und muss keine übereilte Entscheidung treffen die ich dann evtl. bereue. Selbstverständlich werde ich über meine Erfahrungen mit einem fairen Smartphone berichten, wenn es dann soweit ist.

 

 

Mein Fazit: Egal ob Fairphone oder Shiftphone, der Kauf eines der beiden Produkte setzt ein Zeichen in Richtung Nachhaltigkeit. Für Poweruser sind sie aber eher nicht geeignet, da auf den neuesten technischen Fortschritt zu Gunsten der Nachhaltigkeit und Erschwinglichkeit verzichtet wird. Somit wirst du mit einem solchen Gerät vermutlich nicht glücklich, wenn du sehr Technik-affin bist. Auch die Kameras können noch nicht mit der eines iPhones mithalten. Für Durchschnittuser ist es aber aus meiner Sicht durchaus eine prüfenswerte Alternative. 

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Das bin ich

Mein Name ist Nicole Bärtschi, ich bin 31 Jahre alt, verheiratet und Stiefmutter eines Teenagers. Wenn ich nicht gerade an meinem Blog schreibe, mit meiner Familie campen oder fischen gehe, arbeite ich als Kundenbetreuerin auf einer Bank.

 

Nachhaltigkeit ist mir sehr wichtig- bis das Leben meiner Familie als Nachhaltig bezeichnet werden kann, ist es aber noch ein weiter Weg. 

Ich freue mich, wenn du mich auf diesem Weg begleitest!